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Aktuelle Veranstaltungen zur Digitalisierung

Veranstaltung des Berliner Innovatorenkreises, 17.04.15:

“Gestaltungsaufgabe: Qualität des Lebens oder Mit den Fortschrittsverheißungen einer Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft und Industrie 4.0 ins Reich der Freiheit? Der Beitrag und die Rolle von Ingenieurinnen und Ingenieuren”.

 

In einer Einführung setzt sich Peter Brödner kritisch mit den Erwartungen und Heilsversprechen der Digitalisierung auseinander, die wieder einmal mittels “revolutionierender” Technik das Wettrennen um die Zukunft gewinnen will.

Brödner verdeutlicht den langen Weg der industriellen Revolution, der sich seit dem 2. Weltkrieg insbesondere auf die Mechanisierung der Kopfarbeit konzentriert. In der Digitalisierung der industriellen Produktionsprozesse/Industrie 4.0 sieht er nach dem gescheiterten Technikkonzept CIM (Computer Integrated Manufactoring) einen weiteren Versuch zur automatischen, zur Smart Factory.

Diese Technikkonzepte fahren die “Low Road”, d.h. sie setzen zur Produktivitätssteigerung auf Kostensenkung und Technikeinsatz statt auf der “High Road” das Arbeitsvermögen als Quelle von Wertschöpfung und Innovation zu entfalten.

Dem herrschenden Automatisierungsleitbild mit Arbeitsteilung und Technikzentrierung, das die “erlernte Inkompetenz” beinhaltet, stellt Brödner das Leitbild der holonischen Produktion entgegen, das mittels Autonomie und Kooperation zu flexibleren und robusteren Produktionssystemen führt.

 

In diesem Zusammenhang stellt Wolfgang Neef das Leitbild “Blue Engineering - Ingenieurinnen und Ingenieure mit sozialer und ökologischer Verantwortung” vor, das die gesellschaftliche Rolle und Nutzung von Technik sowie die Verantwortung für eine soziale und ökologische Technikentwicklung einschließt. Neef verweist auf die gefährliche Komplexitätsreduktion, die die Mathematisierung und Quantifizierung in Technik und Wissenschaft herbeigeführt haben.

Den Wissenschaftlern ist es daher möglich, sich vom Menschlichen zu lösen; Kritiker sprechen von “digitaler Demenz”. Die “Unschuld” der Technik muss hinterfragt werden; da Technik von Menschen/Interessen entwickelt wird, steckt in ihr ein soziales Konzept, das falsch sein kann.

 

Auftaktveranstaltung des BMAS, 22.04.15

“Wie sieht die Zukunft der Arbeit aus? - Dialogprozess Arbeiten 4.0”

 

Stellen die Berliner Technikexperten das Technikkonzept Industrie 4.0 in seiner Mach- und Wünschbarkeit überhaupt in Frage, beschränkt oder konzentriert sich das Arbeitsministerium auf das Arbeiten 4.0 und sieht Risiken und Chancen für die Arbeitsgesellschaft im Wandel, die ihren Akteuren Handlungsoptionen und Gestaltungschancen eröffnet. Hierzu will das BMAS einen “Dialog für einen neuen sozialen Kompromiss” anstossen.

Arbeitsministerin Nahles stellt zur Eröffnung der Debatte ein “Grünbuch – Arbeit weiter denken – Arbeiten 4.0” vor, dessen wichtigste Botschaft an WissenschaftlerInnen, Praktiker, Sozialpartner und Zivilgesellschaft ist: Digitalisierung und ihre Herausforderungen nicht dramatisieren, sondern aus “Empört Euch” ein “Organisiert Euch” machen: “Die Revolution des Digitalen erfordert eine behutsame Evolution des Sozialen”. Herausforderungen wie mögliche Polarisierung von Löhnen, Beschäftigung und Qualifikationen werden im Grünbuch benannt, aber als gestaltbar dargestellt.

Im Vorwort betont die Arbeitsministerin, dass sie “die Zukunftsdebatte als Fortschrittsdebatte führen möchte, in der die Menschen und ihre Bedürfnisse im Mittelpunkt stehen”. Und es fehlt nicht an den bekannten “Heilsversprechen” der Politik: “Es geht um die Sicherung des Wirtschaftsstandorts Deutschland und Europa, eine Neuverteilung der Märkte, um enorme Wachstumspotenziale und den Traum eines digitalen `Wirtschaftswunders´”.

 

Hier sieht das Grünbuch die Politik gefordert, “nützliche Rahmenbedingungen für sozialpartnerschaftliches Handeln auf nationaler und europäischer Ebene zu setzen”. ...“Flankierend könnten die Institutionen des Sozialstaats einen positiven Beitrag liefern”.

Bei diesen Verweisen auf Sozialpartner und Sozialstaat erwacht der Leser aus der schönen neuen Arbeitswelt, die das Grünbuch verheißt, und erinnert sich irritiert an die reale Schwächung der gewerkschaftlichen Sozialpartner durch globale deregulierte Arbeitsmärkte und an die tatsächlichen Reformen bzw. den Abbau der sozialstaatlichen Leistungen/Institutionen in den letzten Jahren.

In der Diskussion verweist Horst Neumann, Personalvorstand Volkswagen AG auf die harten Fakten der betrieblichen Wirtschaftlichkeit, die die im globalen Wettbewerb stehenden Konzerne bewältigen müssen: VW hat in Deutschland 262000 Beschäftigte, davon 107000 im Produktionsbereich in taktgebundener Arbeit. Von diesen Beschäftigten werden künftig die Hälfte durch Roboter ersetzt, da die Wirtschaftlichkeitsrechnung sagt, dass der beschäftigte Mensch 10mal so teuer ist wie ein Roboter (für den Konzern VW, nicht für die Volkswirtschaft).

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