Die Zukunft der Arbeit und die Verbindung der Arbeit mit Digitalisierung sind zwei Themen, die zur Zeit die Forschung beschäftigen. Im BMBF läuft die Diskussion mit Wissenschaft und Sozialpartnern um das neue Programm „Zukunft der Arbeit“ und die Bekanntmachung „Arbeit und Digitalisierung“ sollte nach den Zusagen des BMBF ja dieses Jahr erscheinen.
Doch auch andere machen sich Gedanken um die Zukunft. So das „Progressive Zentrum“, das im Februar 2014 zusammen mit der Friedrich-Ebert-Stiftung ein Symposium „Zukunft der Arbeit – ein Diskurs in drei Thesen“ durchführte. These 1 war: „Die Zukunft der Arbeit ist zeitlich weniger intensiv“. Dort geht es darum, die Polarisierung der Arbeitszeit in Vollzeit- und Teilzeit aufzuheben. Ein interessanter Ansatz, aber ob die Wahlarbeitszeit wirklich nur den Beschäftigten zu Gute kommt bleibt eine Frage. Denn warum sollen Arbeitgeber nicht auch eine Wahl haben und demnächst von der 5-Stunden-Beschäftigung bis zur 42-Stunden-Beschäftigung alles anbieten und der Beschäftigte muss sich dann seine „Beschäftigung“ zusammenwählen. Von der Patchworkfamilie zur Patchworkbeschäftigung. Auch bleiben die klassischen Probleme der Arbeitszeit, von der irregulären Arbeit über die Samstags- und Sontagsarbeit bis zur Nacht- und Schichtarbeit unberücksichtigt. These 2 ist: „Die Arbeit wird demokratischer“. Hier hat Manfred Moldaschl einige kritische Bemerkungen gemacht. Man muss sehen, wie sich alles weiterentwickelt. These 3: „Die Zukunft der Arbeit ist bunter und vielfältiger“. Johanno Strasser erhofft hier, dass die Tätigkeiten verstärkt werden, die einen Moment menschlicher Freiheit benötigten. Dazu zählt er explizit die personenbezogenen Dienstleistungen. Anstatt eine Kollegin der IG Metall hätte man dazu mal eine Beschäftigte aus den ambulanten Pflegediensten hören sollen. Doch insgesamt sollte man nicht nur lästern, sondern auch die Potenziale solcher Diskussionen erkennen.
Der zweite Artikel von Bornemann ist im Managerkreis der Friedrich-Ebert-Stiftung erschienen und setzt sich kritisch mit der „Industrie 4.0 Vermessen und funktional – aber nicht revolutionär“ auseinander. Er besagt für die Kritiker im Prinzip nichts Neues, interessant an ihm ist, erstens dass er im Umfeld des wirtschaftsnahen Managerkreises der FES erschienen ist, und dass er zweitens die These vertritt, dass wir über eine soziale Technikgestaltung hinaus eine soziale Gesellschaftsgestaltung benötigen, die – so Bornemann – „auf die Risikomündigkeit der Menschen vertraut“. Bornemann eröffnet damit eine Debatte, die auch in der Arbeitsforschung geführt werden müsste und die ein wenig im Symposium des Progressiven Zentrums durchschimmert. Wenn wir die Betrachtungsebenen von Arbeitsprozessen, die Luczak und Volpert vor fast 30 Jahren formuliert haben und die heute zum Kanon der Arbeitswissenschaft gehören, ernst nehmen, müssen wir die oberste Betrachtungsebene, die sich auf Arbeit und Gesellschaft bezieht, konkretisieren, vermehrt diskutieren und vielleicht auch von einem nur betrachtenden Ansatz zu einem gestaltenden kommen.
Quelle:
http://library.fes.de/pdf-files/managerkreis/10975.pdf