Das Bundeskabinett hat Anfang September die neue Hightech-Strategie (HTS) verabschiedet. Ihr Ziel ist es, Wachstum und Wohlstand in Deutschlands zu stärken, indem der Weg wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Anwendung beschleunigt wird. Die HTS konzentriert sich auf Forschungsthemen, die von besonderer Relevanz für die Gesellschaft sowie für Wachstum und Wohlstand in der Zukunft sind: Digitale Wirtschaft und Gesellschaft, Nachhaltiges Wirtschaften und Energie, Innovative Arbeitswelt, Gesundes Leben, Intelligente Mobilität und Zivile Sicherheit.
Die Innovative Arbeitswelt wird hier zum erstenmal als eigenständiges Forschungsthema benannt. Im zu Grunde liegenden Dokument schreibt die Bundesregierung: „Wir wollen eine innovative Arbeitswelt mit ‚guter Arbeit’. Darunter verstehen wird gesunde und sichere Arbeitsbedingungen, die die Fähigkeiten der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zur Entfaltung bringen, sowie eine faire Entlohnung, die erbrachte Leistungen angemessen anerkennt.“ (S.22). Auf der nächsten Seite werden dann „Arbeit in einer digitalisierten Welt“, „Innovative Dienstleistungen für Zukunftsmärkte“ und „Kompetenzaufbau“ als Schwerpunkte genannt. Verwirklicht werden soll das in einem Programm „Innovationen für die Produktion, Dienstleistung und Arbeit von morgen“ (S.23).
Diese Schwerpunktsetzung stellt einen wesentlichen Fortschritt in der High Tech Strategie der Bundesregierung dar, nachdem „Arbeit“ früher nur (ein am Rande behandeltes) Querschnittsthema war. Trotzdem bleiben Fragen offen: Arbeitsgestaltung umfasst mehr als Arbeiten in der Digitalisierten Welt. Noch immer sind Fragen konventioneller Belastung nicht gelöst. Das Thema Schichtarbeit bleibt weiter ungelöst. Interaktionsarbeit ist mehr als Kundenorientierung. Und das hinter der HTS verborgene Leitbild ist noch immer eines der Ökonomie und nicht eines, das Humanisierungsziele gleichberechtigt zu den ökonomischen Zielen sieht. Des weiteren hat das BMBF ausser großen Ankündigungen 2014 nichts wesentliches Neues auf die Beine gestellt. Seit einem dreiviertel Jahr ist der Koalitionsvertrag bekannt. Die Bekanntmachung „Prävention“, die soeben erschienen ist, ist schon davor geplant. Die zugesagte Bekanntmachung „Arbeit und Digitalisierung“ soll erst Ende des Jahres veröffentlicht werden. Ein Aufschwung des Haushaltes ist nicht erkennbar.
Programme sind Ankündigungen, Forschung ist Handeln. Es bleibt also noch einiges zu tun.